Über Selbstwert und Leistung in der Führung
„Wann bin ich als Führungskraft gut genug? Wann habe ich das Geld, das ich bekomme, auch wirklich verdient?“ Das wurde ich kürzlich in einem Coaching gefragt – von jemandem, der seit Jahren führt, Verantwortung trägt und täglich Entscheidungen trifft. Und trotzdem zweifelt.
Diese Frage kenne ich aus vielen Gesprächen mit Führungskräften und Leitungspersonen. Sie ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Zeichen dafür, dass jemand seinen Job ernst nimmt.
Die unsichtbare Arbeit des Führens
Führungskräfte messen ihre Leistung häufig an sichtbaren Ergebnissen: abgearbeitete E-Mails, umgesetzte Strategien, messbare Zahlen. Aber ein Großteil der Führungsarbeit ist auf den ersten Blick nicht sichtbar.
Das sind beispielsweise das wichtige Gespräch mit einer Mitarbeiterin, die gerade überfordert ist, die schnelle Entscheidung in einer schwierigen Situation oder das Team, dem eine Leitung Stabilität gibt, auch wenn sie selbst unter Druck steht. All das hinterlässt keine abgehakten To-dos und zählt deshalb im eigenen Kopf oft nicht als Leistung.
Woran erkennt eine Führungskraft eigentlich die eigene Leistung? Das ist schwerer, als es klingt. Denn Führen bedeutet nicht nur Entscheiden und Delegieren. Es bedeutet Beziehung gestalten, Konflikte aushalten, Orientierung geben, auch in Zeiten der Unsicherheit.
Der eigene Maßstab, der sich ständig verschiebt
Leistung ist der Maßstab, an dem sich Führungskräfte messen. Aber dieser Maßstab verschiebt sich. Man erreicht ein Ziel, und schon wartet der nächste Anspruch. Es reicht nie, weil der eigene Anspruch immer einen Schritt voraus ist.
Forschung zur Selbstwirksamkeit zeigt: Menschen, die ihre eigene Kompetenz systematisch unterschätzen, schreiben Erfolge externen Faktoren zu und Misserfolge sich selbst. Führungskräfte, besonders Frauen in Führungspositionen und Leitungsrollen, sind davon überdurchschnittlich häufig betroffen.
Hinzu kommt der soziale Vergleich. Führungskräfte beobachten, was andere in einer Führungsrolle erreichen, welche Positionen andere bekleiden, wie andere Teams performen. Dieser Vergleich ist nie fair, denn man sieht immer nur das Ergebnis, nie den Weg.
Wertschätzung beginnt im Inneren
Wann ist eine Führungskraft also gut genug? Meine Antwort auf die Frage lautet in Coachings: Dann, wenn Sie sich selbst Wertschätzung entgegenbringen. Vorher finden Sie keine Ruhe.
Externe Anerkennung füllt dieses Loch nicht dauerhaft. Lob, Feedback, Gehaltserhöhungen. Solange die innere Kritikerin lauter ist als jede äußere Bestätigung, reicht es nie.
Es geht nicht darum, keine Ansprüche mehr zu haben. Es geht darum, sich selbst gegenüber fair zu sein. Die eigene unsichtbare Führungsarbeit zu sehen. Sich selbst anzuerkennen, bevor der nächste Anspruch wartet.
Supervision und Coaching für Führungskräfte
Genau an diesem Punkt setze ich in meiner Arbeit als Supervisorin und Coach an. Ich begleite Führungskräfte und Leitungspersonen dabei, ihre eigene Leistung realistisch einzuschätzen, alte Muster zu erkennen und eine wohlwollendere Haltung sich selbst gegenüber zu entwickeln.
Wenn Sie sich an dieser Stelle wiederfinden, melden Sie sich gern. Ich begleite Sie in ihrer beruflichen Transformation.