Erkenntnisse nach knapp 2000 Kilometern zu Fuß
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Pilgern auf dem Jakobsweg und beruflicher Entwicklung? Meinung nach einen ganz deutlichen. Mittlerweile bin ich drei Jakobswege gelaufen: den Camino Portugués, die Voie de Tours und den Camino Francés – knapp 2000 Kilometer zu Fuß seit 2023.
Ich habe das Gefühl, das Erlebte und „Durchwanderte“ immer erst so richtig zu begreifen, wenn ich wieder zu Hause bin. Nach dem Camino Francés ist mir klar geworden, dass berufliche Veränderung ähnlich ist wie das Wandern.
Hier sind meine Erkenntnisse:
Weniger Reize verhelfen zu mehr Klarheit.
Der Weg hilft unheimlich dabei, die eigenen Gedanken und Gefühle zu beobachten und zu verstehen. Denn es gibt keine Ablenkung. Auf dem Camino wird der Kopf still und ruhig. Das Pilgern ist Always-on-Detox. Auch im Job gilt: Wer ständig im Reaktionsmodus ist, verliert den Blick fürs Wesentliche. Klarheit entsteht durch Fokussierung, nicht durch Beschleunigung.
Der Körper ist weise.
Der Körper kann sich immer nur um eine Baustelle kümmern. Wenn du Kopfschmerzen hast, tut das Knie nicht mehr weh. Wenn du vor Kälte bibberst, ist der Rucksack ganz leicht. Wenn du Hunger hast, zählt nur die nächste Pause. Diese Präsenz ist einfach notwendig. Auch im Berufsalltag signalisiert der Körper oft zuerst, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Und er will stets gut versorgt sein, um Leistung zu erbringen – ob mental oder physisch.
Energie ist nicht verhandelbar.
Wenn ich 35 Kilometer in den Knochen habe, ist Pilger-Talk in diversen Sprachen am Abend sehr herausfordernd und für mich manchmal einfach nicht möglich. Die Energie ist erschöpft. Das zu erkennen, sich abzugrenzen und das auch klar zu kommunizieren, ist wohl eines meiner wichtigsten Learnings. Auf den Beruf übertragen heißt das: Wer seine Grenzen kennt und kommuniziert, schützt sich und bleibt langfristig leistungsfähig. Etwas, das meiner Erfahrung nach besonders extravertierten Persönlichkeiten schwerfällt.
Das eigene Tempo gehen ist entscheidend.
Den Jakobsweg allein oder zu zweit zu gehen, ist beides eine schöne Erfahrung. Ich habe dabei gelernt, dass ich jedoch immer in meinem Tempo gehen muss. Mit jemandem mitzulaufen funktioniert nicht. Ist es mit der eigenen Karriere nicht ganz ähnlich? Karrieren funktionieren selten nach Schema F. Oft sind sie nicht planbar, sondern ergeben sich aus den Wegen, die wir gehen und den Menschen, die wir kennenlernen.
Anpassung ist Übungssache.
Herberge, Menschen, Geräusche – was mich auf meinen ersten Jakobswegen noch sehr gestresst hat, wurde auf dem letzten Camino zur Normalität. Nicht, weil es plötzlich angenehm war, sondern weil ich gelernt habe, damit umzugehen. Auch berufliche Rollenwechsel, neue Teams oder Konfliktsituationen verlangen genau diese Art von wachsender Anpassungsfähigkeit.
Herausforderungen lassen uns wachsen.
Die härtesten Etappen sind oft die, an die ich später die schönsten und intensivsten Erinnerungen habe. Denn dort habe ich Momente erlebt, in denen ich über mich hinaus gewachsen bin. Wachstum passiert außerhalb der Komfortzone. Auch im Berufsleben sind es die Krisen und Wendepunkte, durch die wir uns am meisten weiterentwickeln.
Losgehen ist wichtiger als Ankommen.
Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es manchmal wichtiger ist loszulaufen als anzukommen. Veränderung beginnt beim Gehen, nicht beim Planen, nicht beim Überlegen. Ohne den ersten Schritt bleibt alles Theorie. Das gilt für berufliche Veränderungen genauso wie für den Camino. Im Job habe ich schon oft erst einmal „Ja“ gesagt – und erst dann überlegt, wie ich es mache.
Was hat das Pilgern mit Coaching und Supervision zu tun?
Ich sehe nicht nur viele Parallelen zwischen dem Pilgern auf dem Jakobsweg und beruflicher Veränderung, sondern auch zu Coaching und Supervision. Denn auch in meiner Arbeit geht es um Selbstbeobachtung, Energiehaushalt, Klarheit, Tempo und Wandel. Um Fragen wie: Wo stehe ich gerade? Wo will ich hin? Was brauche ich wirklich? Wie finde ich meinen eigenen Weg? Wie geht es für mich weiter?
Wenn Sie sich gerade auf beruflicher (Um-)Orientierung befinden, begleite ich Sie – mit fundiertem Wissen, aufrichtigem Interesse, absoluter Klarheit und einem Rucksack voller Erfahrung. Vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Erstgespräch.
Mehr Infos zum Pilgern auf dem Jakobsweg gibt es hier.