Das geeignete Beratungsformat – die Qual der Wahl

Was ist Supervision, was ist Coaching? Was gibt es sonst noch? Wer Beratung sucht, ist nicht selten überschwemmt von dem Überangebot an Berater*innen, Coaches und Supervisor*innen. Dann stellen sich schnell Fragen wie: Welches ist das richtige Beratungsangebot für mich? Wer passt eigentlich zu mir? Was darf Beratung kosten? Was macht eine gute und seröse Beratung aus?

Die Grundlage einer guten Arbeitsbeziehung

Auf der Suche nach dem richtigen Beratungsformat gilt ein Grundsatz: Die Beratung beginnt vor der Beratung. Das heißt, der Berater oder die Beraterin klärt zunächst ganz genau die Auftragslage ab und diese kann je nach Kontext unterschiedlich komplex sein. Aus dem Auftrag ergibt sich dann ein entsprechender Kontrakt mit dem/der Supervisand*in oder Coachee, einem Team bzw. der Organisation. Eine genaue Auftragsklärung und der Kontrakt bilden die Grundlage für eine gemeinsame Arbeitsbeziehung.

Qualität der Beratung

Anders als Psychologische Beratung oder Psychotherapie sind die Beratungsformate Supervision und Coaching und somit auch ihre Begrifflichkeiten nicht rechtlich geschützt. Theoretisch kann sich also jede*r Coach oder Supervisor*in nennen. Das macht die Suche nach einer geeigneten Beratung für Ratsuchende nicht einfacher. Ein genauer Blick auf die Ausbildung derjenigen, die für ihre Dienstleistung werben, ist ein wichtiges Kriterium. In Deutschland gibt es renommierte Weiterbildungsinstitute mit zum Teil jahrzehntelanger Tradition. Diese Institute wiederum sind einem Berufs- und Fachverband angegliedert. Die Verbände bieten Netzwerke an, in denen man gezielt nach qualifizierten Supervisor*innen und Coaches suchen kann.

Die Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (DGSv) 

Dachverband einschlägiger Weiterbildungsinstitute in Deutschland und somit ihrer Absolvent*innen ist die DGSv.

„Die Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (DGSv) setzt sich seit ihrer Gründung 1989 für die Qualität von Supervision und Coaching ein. Sie fördert Konzeptentwicklung, Forschung und Praxis. Sie vertritt die fachlichen und berufspolitischen Interessen ihrer rund 4500 Mitglieder.“

Die DGSv ist der größte Berufs- und Fachverband für Supervision und Coaching in Deutschland mit sehr hohen Standards. Sie sorgt mit ihren Mitgliedern für eine qualifizierte Beratung von Fach- und Führungskräften in Organisationen aus Sozialwesen, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung.

Das Selbstverständnis der DGSv beruht auf unserer am Gemeinwohl orientierten parlamentarischen Demokratie, auf der Rechtsstaatlichkeit, dem Grundgesetz und den allgemeinen Menschenrechten. Mit dem Verweis auf die Selbstzwecklichkeit und die Würde des Menschen dieser ethischen Grundsätze geht ein Instrumentalisierungsverbot einher. Die Grundsätze garantieren in der Supervision und im Coaching die Verwirklichung folgender Ansprüche: die Ansprüche auf dialogische Kommunikation, sachliche Wahrheit, ethische Richtigkeit, aufrichtige Wahrhaftigkeit und sprachliche Verständlichkeit. In den Ethischen Leitlinien der DGSv wird dies ausführlich beschrieben.

Was ist Supervision?

Ihren Ursprung hat die Supervision in der Sozialen Arbeit in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie mit dem Einfluss aus den USA (wieder)eingeführt. Entscheidendes Merkmal der Supervision sind ihr Prozesscharakter und das im Rahmen des Prozesses stattfindende Verstehen von Dynamiken. Supervisorische Arbeit ist weniger ergebnis- als prozessorientiert. Sie bewegt sich mit und in den Spannungsfeldern zwischen der Person des/der Handelnden, einem selbst- und fremdbestimmten Rollenverständnis, dem organisationalen Rahmen, dem Klientensystem bzw. dem beruflichen Bezugssystem, dem gesellschaftlichen Kontext sowie übergeordneten gesellschaftlichen Zielsetzungen und ethischen oder gesellschaftlichen Werten.

Was ist Coaching?

Ab den 1920er Jahren etablierte sich im Sport der Begriff Coaching. Das körperliche wurde um das mentale Training erweitert. Mittels psychologischer Motivation sollte die Leistung gefördert werden. Vom Sport in die Wirtschaft übertragen wurde das Coaching in den 1940er Jahren in Amerika, ab den 1970er Jahren in Deutschland. Das Konzept wurde für die Beratung und Entwicklung von Führungskräften transformiert – mit dem Fokus auf eine Ziel- und Erfolgsorientierung im Rahmen eines Prozesses. Kern des Coachings war und ist es, individuelle oder kollektive berufliche Handlungskompetenz zu entwickeln. Fachliche, personale und interaktionelle Potenziale sollen dabei im Kontext spezifischer beruflicher Herausforderungen Entfaltung finden. Mit dem historischen Hintergrund der Leistungsförderung im Sport geht es im Coaching darum, die Arbeitsleistung oder die berufliche Lebensgestaltung zu verbessern bzw. zu entwickeln. Diese beruflichen Lern- und Entwicklungsprozesse sind eingebettet in eine Ausgangssituation und eine erwünschte Zielsituation.

Wann ist Supervision geeignet? Wann ist Coaching sinnvoll?

Entscheidend für eine qualifizierte Beratung ist die oben beschriebene Auftragsklärung. Das heißt, bei einer Anfrage und der Klärung des Auftrags entscheide ich als Supervisorin und Coach gemeinsam mit meinen Klient*innen, welcher Rahmen bzw. welches Beratungsformat das richtige ist. Hat ein Team beispielsweise den Wunsch, die Kommunikation in der gemeinsamen Arbeit zu verbessern oder bestimmte Situationen zu reflektieren, ist Supervision die geeignete Methode. Ist eine Führungskraft unsicher in einem bestimmten Handlungsfeld und möchte ihre Kompetenzen mit Blick auf ein konkretes Ziel verbessern, kommt Coaching in Frage. Jeder Beratungsfall, jedes Individuum, jedes Team ist einzigartig und deshalb ist die Beratung vor der Beratung so entscheidend.

Um Reflexionsprozesse in Gang zu setzen – und das unabhängig vom Beratungsformat – ist ein Prozess über einen vorher vereinbarten Zeitraum von entscheidender Bedeutung. So begleite ich Sie als Supervisorin und Coach auf Ihrem Weg meist in mehreren Sitzungen – und dies immer mit der persönlichen Intention, mich auf diesem Weg nach und nach überflüssig zu machen.