Was KI mit mir macht

Wie steht es um Künstliche Intelligenz und Supervision? Vor ungefähr einem Jahr habe ich das erste Mal eine KI etwas gefragt. Mittlerweile nutzt sie gefühlt jeder, immer und überall. Ich beobachte, wie Künstliche Intelligenz zunehmend alle Lebensbereiche erfasst. Kürzlich habe ich einen Roman gelesen, der an vielen Stellen mit KI verfasst wurde. Das begann ich zu überlegen, wie sich das auf mein Leben auswirkt und wie ich damit umgehen will.

Diese Selbstbeobachtung, verbunden mit der Frage „Was macht KI mit meiner Art zu denken und zu urteilen?“, finde ich spannend. Ich habe drei Bereiche genauer betrachtet: meine Rolle als Führungskraft, meine Arbeit in Supervision und Coaching und mein Privatleben.

Als Führungskraft: bewusst nutzen und steuern

In dem Unternehmen, in dem ich als Marketingleiterin tätig bin, gehen wir offen mit KI um. Wir Führungskräfte wurden motiviert, auszuprobieren, wo KI unsere Teams unterstützen kann. Mein Team war ohnehin schon mittendrin. Wir übersetzen Erklärvideos in diverse Sprachen oder lassen Routineaufgaben effizienter erledigen. Ich sehe hier großes Potenzial, wenn wir bewusst steuern, wie wir sie einsetzen. Ich denke, Führung bedeutet, offen zu sein und Innovation voranzutreiben. Deswegen beschäftige ich mich als Führungskraft kontinuierlich mit allen Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz.

In Supervision und Coaching: Beziehung und Schweigen lassen sich nicht simulieren

Meine Fälle bespreche ich (noch) nicht mit KI. Die Daten sind zu sensibel, und ich gehe lieber selbst zur Supervision. Ich bin überzeugt, Menschen brauchen Menschen, um in Resonanz zu gehen oder auch mal keine sofortige Antwort zu bekommen. Das berühmte Schweigen in der Supervision lässt sich nicht simulieren.

Trotzdem halte ich es für notwendig, dass wir Beraterinnen uns frühzeitig und verantwortungsvoll mit KI auseinandersetzen. Der digitale Beratungsmarkt entwickelt sich. Das ist sicher. Dann sollten wir auch von Anfang an dabei sein und mitgestalten. Wo kann KI wirklich dienlich sein? Wie erleichtert sie Klient*innen den Zugang zu Beratung? Dass die DGSv ihr letztes Journal komplett diesem Thema gewidmet hat, ist ein guter erster Schritt.

Was ich von den FiS Supervisionstagen in Münster mitgenommen habe

Vergangenes Wochenende war ich bei den FiS Supervisionstagen 2026 in Münster. Das Thema: „Fremdheit und Verbundenheit – künstliche Intelligenz und Psychoanalyse.“ Ich muss ehrlich sagen: Ich fragte mich vorab, ob ich dort viel Neues lernen würde. Ich vermutete Abwehr auf allen Ebenen.

Diese Fachtagung überzeugte des mich vom Gegenteil.

Von Philosoph und Zukunftsforscher Christian Uhle habe ich gelernt: Es geht nicht länger darum, was KI kann. Irgendwann wird sie so ziemlich alles können. Die entscheidende Frage ist: Wo wollen wir Menschen? Und wenn es um die sich wandelnde Arbeitswelt geht: Was ist unser Konzept für gute Arbeit im Zeitalter von KI, jenseits der sogenannten Bullshit-Jobs?

Von Dr. Annette Mulkau habe ich gelernt, wie die DGSv als Verband sich auf organisationaler und ethischer Ebene auseinandersetzt: Was macht KI zunächst mit den Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle, bevor wir über Mitglieder oder Klient*innen reden?

Psychoanalytiker Dr. Georg Baumann hat eine These eingebracht, die mich nicht loslässt: KI und das gesamte Internet sind eine Projektion unseres Selbst, vielleicht sogar des Unheimlichen in uns. Was wir von KI erhalten, ist Ausdruck dessen, was wir ihr gegeben haben. Was ist dann noch Wissen?

Kolleg*innen haben in Selbstversuchen gezeigt: KI kann eine Szene verstehen und Lösungsvorschläge machen. In Beziehung gehen, schweigen, menschliche Fehler machen – das kann sie nicht. Zumindest noch nicht.

Was mir niemand nehmen kann

Das Menschlichste an diesem Wochenende waren der Austausch in meiner Resonanzgruppe, die tiefgründigen Gespräche in den Pausen, das gemeinsame Tanzen am Abend, das Verbinden. Das lässt sich nicht konstruieren. Das weiß ich auch aus meinem Privatleben.

Privat: lieber meine Mama fragen

Dort verzichte ich weitgehend auf die Nutzung Künstlicher Intelligenz. Ich weiß, wie energieintensiv jede Konversation ist. Und ich frage lieber meine Mama, wie sie ihre Pflanzen so gut pflegt, oder spreche mit einer Freundin über Beziehungsthemen. Ist doch viel schöner, oder?

Das ist mein aktueller Selbstbeobachtungsstand. Mal schauen, wie es in einem Jahr aussieht.